Bilder freistellen mit Inkscape

Vor einer Weile bestellte ich mir einen neuen Scanner, damit ich all die Aquarelle und Schriften auch alle digital speichern kann. Der neue Scanner ist sehr gut. Zu gut. Er scannt jede Faser des Aquarellpapiers mit. Der alte Scanner war schlecht. Dort war der Hintergrund schön weiss. Jetzt ist der Hintergrund cremig, körnig und holprig. Hilfe!

Nun gilt es also, den Spreu vom Weizen zu trennen – Hintergrund weg, Bild schön. Wer digital genauso suboptimal versiert ist wie ich, wird spätestens hier an seine Grenzen stossen. Doch zum Glück gibt es in den Tiefen des Internets kostenlose Programme, mit denen sich dieses Unternehmen realisieren lässt. Da ich mit Inkscape vektorisiere, verwende ich das Programm auch für die Bildfreistellung. Im Folgenden erkläre ich Schritt für Schritt, wie aus dem gescannten Bild ein Freigestelltes (i.e. Hintergrundloses) wird.

 

Das braucht’s:
– Ein Bild
– Ein Scanner
– Ein Computer
– Inkscape

 

Scannt das Bild in bestmöglicher Qualität (dieses Tutorial bearbeitet das Bild an sich nicht, sondern schneidet es lediglich aus)

 

Öffnet Inkscape und fügt die Scan-Datei via Datei > importieren… ein (es öffnet sich dann ein kleines Fenster, da könnt ihr einfach ok drücken!). Ihr könnt das Bild so im Programm verschieben, wie es euch am besten passt von der Ansicht her (es spielt auch (noch) keine Rolle, ob es innerhalb der angezeigten Seite ist)

 

Geht nun auf Ebene > Ebenen… . Nun sollte sich rechts am Rand ein Fester mit der Ebenenübersicht öffnen. Euer Bild befindet sich auf Ebene 1. Klickt nun auf das +, um eine zweite Ebene (über der aktuellen) hinzuzufügen. Die Ebene 1 könnt ihr durch einen Klick auf das Schloss-Symbol sperren, sodass euch das Bild nicht mehr verrutschen kann bei den nächsten Schritten. Die Deckkraft der Ebene 2 könnt ihr auf ca. 50% stellen, sodass ihr die untere Ebene später immer noch durchschimmern seht.

 

Im nächsten Schritt wird jetzt auf Ebene 2 der Umriss des Bildes mithilfe des Bézier-Kurven Tools (links das 7. Symbol von unten) nachgezeichnet. Dazu werden erst einmal rund um das Objekt Punkte gesetzt (Bild 1); die Linien müssen noch nicht perfekt auf den Kanten liegen, da sie noch verschoben werden können (Bild 2). Der letzte Punkt muss wieder an den ersten gesetzt werden, sodass eine geschlossene Kontur entsteht (Bild 3), die sodann dick und schwarz wird (Bild 4).

Bild 1: Bézier-Kurventool (links) wählen und irgendwo an der Kontur des Bildes den ersten Punkt setzen

 

Bild 2: rund um das Bild die Punkte setzen (immer an Ecken des Bildes, nicht auf geraden Linien)

 

Bild 3: Am Schluss muss die gezeichnete Kurve geschlossen werden, indem der letzte Punkt auf dem ersten gesetzt wird

 

Bild 4: die geschlossene Kontur wird nun automatisch dick und schwarz

 

Nun wird die entstandene Fläche aufgefüllt, indem ihr wieder zurück auf die Mausfunktion (der Pfeil links oben) geht und Objekt > Füllung und Kontur… wählt. Rechts öffnet sich wieder ein Fenster, wo ihr unter dem Reiter Füllung die Option einfache Farbe wählen könnt. Die Form ist nun schwarz gefüllt, aber dadurch, dass die Deckkraft der Ebene 2 auf 50% gesenkt wurde, seht ihr das Bild darunter dennoch.

 

Nun müsst ihr die Konturen noch etwas ausbessern, sodass die schwarze Fläche Deckungsgleich mit eurem Bild wird. Hierfür verwendet ihr den Knotenbearbeitungs-Tool (links zweites von oben) und könnt die Kurven entsprechend verschieben, indem ihr die Konturen anklickt und daran zieht (hier müsst ihr einfach etwas ausprobieren, bis man das im Griff hat…).

 

Die Kurven verschieben könnt ihr entweder, indem ihr die Kurve an sich anklickt und zieht (wie oben), oder indem ihr die Anfasser der Knoten bewegt (Bild unten, der rote Punkt) – je nach dem, wie es euch am besten geht.

 

Wenn ihr nur alle Kurven angepasst habt, sollten die Konturen des Bildes und der Fläche auf Ebene 2 übereinstimmen.

 

Falls ihr auch Flächen innerhalb des Bildes (hier zum Beispiel die weissen Flächen innerhalb der Rose) ausschneiden möchtet, müsst ihr fast das gleiche Spiel nochmals machen. Fügt dafür erneut eine neue Ebene hinzu (Ebene 3, über aktueller) und fährt wiederum mit dem Bézier-Kurven Tool um die auszuschneidende Fläche und passt die Kurven der Kontur an:

 

Nun wählt ihr mit einem Mausklick irgendwo auf dem Bild die äussere Kontur aus, drückt die Shift-Taste und wählt die innere, neue Kontur dazu aus, sodass beide markiert sind.

 

Wenn beide Konturen markiert sind (gestricheltes Viereck rundherum erscheint), drückt ihr control und (Minus) gleichzeitig. Die Konturen sollten jetzt zu einer einzigen Kontur werden (das Viereck um die innere Kontur verschwindet):

 

Diesen Schritt wiederholt ihr für alle inneren Flächen, die ihr ebenfalls durchsichtig haben wollt.

 

Um das Bild schliesslich auszuschneiden, müsst ihr die Ebene 1 wieder entsperren, mit der Auswahl-Maus (oben links) irgendwo auf den auszuschneidenden Hintergrund des Bildes (Ebene 1) klicken und mit der Shift-Taste gedrückt zusätzlich ins Bild hinein (Ebene 2) klicken, sodass sich wieder um beide Auswahlen ein gestricheltes Viereck bildet:

 

Nun kommt der letzte Schritt: klickt mit der rechten Maustaste ins innere Bild und wählt Ausschneidemaske setzen – TADAA! Euer Bild sollte nun freigestellt sein! Für die weitere Bearbeitung könnt ihr nun die Ebene 2 (und evtl. 3) löschen, die braucht ihr nicht mehr.

 

Wie alles begann

Hier sitze ich nun also, gut zehn Monate nach meinen ersten Handlettering-Versuchen. In dieser Zeit hat sich nicht nur meine Schönschrift geändert, sondern auch, was ich daraus mache. Auf das Handlettering bin ich eigentlich nur durch ein blödes Missgeschick gekommen: ich leerte während der Vorlesung Kaffee auf meinen Schreibblock und wollte die entstandenen Flecken mit einem Zitat in Schönschrift aufwerten. So habe ich aus dem Internet einen Spruch abgepaust – das war mein erstes Lettering. Was als gemütliche Nebenbeschäftigung als kreativen Ausgleich zu meinem Studium begann, wurde rasch zur Sucht – kein Abend verging mehr ohne Stift, kein Ausflug in die Stadt ohne Besuch in der Papeterie. Nach fast zwei Monaten intensivem Üben traute ich mich schliesslich, meine Kritzeleien auf Instagram zu veröffentlichen. Rückblickend sind diese Werke eher weniger schön, aber damals war ich ziemlich stolz, nach nur so kurzer Zeit solche nach Handlettering aussehenden Handletterings machen zu können!

Zu Beginn hätte ich nicht gedacht, dass die Lettering-Community auf Instagram so gross ist, und schon gar nicht, dass sie nur aus hilfsbereiten, ermutigenden, fröhlichen und authentischen Menschen besteht. Dieser virtuelle Freundeskreis hat mich enorm motiviert und inspiriert, weiterzumachen und vor allem Neues auszuprobieren und mich zu getrauen. Deshalb hier ein riesiges Dankeschön an euch alle, ihr dürft euch mal eine Runde auf die Schulter klopfen!

Instagram ist in der Hinsicht gefährlich, dass man ganz viele tolle Stifte, Papiere und Techniken sieht, die man natürlich alle selbst haben bzw. ausprobieren muss. Der finanzielle Schaden hält sich in meinem Fall noch in Grenzen, da ich von Natur aus sehr sparsam bin und deshalb häufig die günstigere Version kaufe – vor allem für den Anfang reichen diese Produkte dann auch völlig aus, um bereits tolle Ergebnisse zu erzielen. So habe ich zum Beispiel mit ganz normalen Finelinern, Bleistiften und alten Filzstiften begonnen und konnte ein Gefühl für das Lettering bekommen, ohne zig teure Stifte zu verschwenden. Auch fürs Aquarellieren hatte ich anfangs die günstigste Palette ausgesucht (welche ich auch jetzt noch regelmässig benutze!). Mit der Zeit kamen natürlich auch teurere Anschaffungen dazu, zu deren Kaufzeitpunkt wusste ich dann jedoch bereits, ob mir diese überhaupt dienen.

Was ich mit meiner Geschichte sagen will, ist, dass jede und jeder das Handlettering lernen kann und dass es dafür (zu Beginn) keine exquisiten Stifte und Papiere braucht – Ein Ikea-Bleistift und eine Serviette reichen schon völlig aus, um zu beginnen! Es braucht auch keine schöne Handschrift, denn Lettering hat in diesem Sinn nichts mit „normalem“ Schreiben zu tun. Ich in meinem Fall wusste nicht einmal, dass ich zeichnen kann, aber auch das kommt – wie das Lettering – mit der Übung.

Deshalb möchte ich euch ermutigen, es einfach zu versuchen. Im schlimmsten Fall kommt das Blatt in den Abfall – und sonst könnt ihr zehn Monate später eure eigene Webseite erstellen 🙂