Letterings freistellen und vektorisieren

In diesem Post möchte ich euch zeigen, wie ihr ganz einfach mit dem kostenlosen Programm Inkscape eingescannte Letterings freistellen und vektorisieren könnt. Was heisst das?

Damit ihr analoge Letterings digital weiterverarbeiten könnt (z.B. zu Karten oder anderen Print-Produkten), muss der originale Hintergrund entfernt werden sowie die Schrift so verändert werden, dass ihr Grössenveränderungen ohne Qualitätseinbussen vornehmen könnt.

Als erstes wird der Scan in das Programm eingefügt. Dazu klickt ihr auf ‚Datei‘ > ‚importieren‘ und wählt die gewünschte Datei aus. Achtung: Der Scan muss als Bild (.jpeg oder .png) abgespeichert sein, PDF-Formate funktionieren nicht. Zudem muss das Lettering mit schwarzer oder dunkler Farbe auf weissem oder hellem Papier geschrieben sein, sonst erkennt es das Tool nicht.

1. Schritt: ‚Datei‘ > ‚importieren‘ und gewünschte Datei auswählen

Dann wird das eingefügte Bild markiert, indem ihr mit der Maus draufklickt. In diesem Schritt würde ich noch keine Grössenänderung vornehmen.

2. Schritt: mit der Maus aufs Bild klicken, um es zu markieren

Ist das Bild ausgewählt, klickt im Menü auf ‚Pfad‘ > ‚Bitmap nachzeichnen‘.

3. Schritt: ‚Pfad‘ > ‚Bitmap nachzeichnen‘ auswählen

Rechts öffnet sich ein Dialogfenster. Generell muss dort nichts mehr verändert werden, es kann aber sein, dass ihr bei besonders feinen Linien den Helligkeitsschwellwert (rot umrahmt) erhöhen müsst. Am besten ein bisschen mit diesem Wert spielen und ausprobieren.

4. Schritt: eventuell Schwellwert anpassen, ansonsten OK klicken

Wenn ihr OK klickt, zeichnet das Tool alle schwarzen Bereiche des Bildes nach. Verschiebt das Bild leicht, sodass ihr das Original von der nachgezeichneten Datei unterscheiden könnt und löscht die Originaldatei, indem ihr sie markiert und ‚ctrl’+’delete‚ drückt. Diese wird nicht mehr gebraucht.

5. Schritt: nachgezeichneten Bildausschnitt verschieben und Originaldatei löschen

Wenn es euch nur darum geht, den Hintergrund zu entfernen und am Lettering an sich nichts verändern wollt, könnt ihr hier aufhören und die Datei abspeichern. Falls ihr aber noch Grössen verändern, Elemente löschen oder verschieben wollt, müsst ihr das Ganze auch noch vektorisieren. Dazu wieder die Datei markieren und ‚Pfad‘ > ‚zerlegen‘ wählen.

6. Schritt: Bild markieren, ‚Datei‘ > ‚zerlegen‘ wählen

Nun wird das Bild in seine gesamten Einzelteile zerlegt, d.h. alle Elemente werden voneinander getrennt und sind nun beliebig lösch- oder verschiebbar. Zusätzlich wurden alle Leerräume ausgefüllt, diese müsst ihr im nächsten Schritt wieder leeren.

7. Schritt: das Bild wurde zerlegt. Nicht gebrauchte Elemente können markiert und gelöscht werden

Damit ihr die ausgefüllten Leerräume wieder entfernen könnt, müsst ihr zuerst das Gesamtelement markieren. Dann mit ‚Shift’+Mausklick den inneren Hohlraum auswählen, sodass nun zwei Elemente markiert sind. Auf folgendem Bild ist das beim ersten Wort veranschaulicht: ‚happy‘ besteht nun, da es zerlegt wurde, aus mehreren Elementen, da nicht alle Buchstaben mit Linien verbunden sind. Hier wähle ich zuerst ein Gesamtelement, ‚hap‘ aus. Dann mit ‚Shift’+Mausklick den inneren Teil vom ‚a‘ auswählen, sodass nun sowohl das Gesamtelement wie auch die kleine Fläche im ‚a‘ markiert sind.

8. Schritt: um die ausgefüllten Flächen zu entfernen, Gesamtelement und Fläche markieren

Dann mit der Tastenkombination ‚ctrl’+‘-‚ (Bindestrich-Zeichen auf der Tastatur) die innere Fläche entfernen, sodass das ‚a‘ wieder einen Hohlraum hat. Achtung: es funktioniert nur, wenn zuerst das Gesamtbild und erst dann die innere Fläche markiert wird; anders herum wird alles ausser die innere Fläche gelöscht!

9. Schritt: Nun sind alle inneren Flächen entfernt und die Elemente können beliebig verschoben und skaliert werden

Wenn ihr alle inneren Flächen gelöscht habt, seit ihr soweit fertig – nun ist der Hintergrund transparent und das Lettering beliebig verschieb- und verzerrbar, ohne dass die Qualität verloren geht.

Nun können neue Hintergründe eingefügt oder die Schrift mit einer anderen Farbe gefärbt werden.

Falls etwas unklar ist und ihr Fragen habt, schreibt diese gerne in die Kommentare!

Sondermarken für besondere Botschaften

(In Kooperation mit der Schweizerischen Post)

Wer kennt sie nicht: die Vorfreude, wenn ein handgeschriebener Brief oder eine Postkarte im Briefkasten wartet? Von wem mag diese Botschaft wohl sein? Und noch wichtiger, was steht wohl drin?

Heutzutage finden die meisten Korrespondenzen über digitale Medien statt; physische Briefe werden meistens doch am Computer geschrieben, sodass jegliche persönliche Note verloren geht.

Von Hand geschriebene Post wird fast nur noch verschickt, wenn es um etwas Persönliches oder Aussergewöhnliches geht. Warum diese Botschaft also nicht bereits auf dem Couvert mitteilen? Mit einer speziellen Sondermarke ist dies ganz einfach möglich, und das Praktische ist gleich mit dem Ästhetischen verbunden.

Briefmarken im Handlettering Style verleihen deinen Botschaften eine individuelle Note.

Im Onlineshop der Schweizerischen Post und in allen Filialen findet ihr eine grosse Auswahl an individuellen Briefmarken, welche eure handgeschriebenen Botschaften noch schöner machen. Stöbern lohnt sich wirklich, es ist für jeden Anlass ein passendes Motiv dabei. Diese Marken kosten ausserdem nicht mehr als die gewöhnlichen, haben jedoch eine ganz andere Wirkung!

Ich hatte gerade letzte Woche die Ehre, für eine Freundin Einladungskarten für ihre Babyshower Party zu gestalten und an alle Gäste zu versenden. Bei einer so frohen Botschaft darf natürlich das Couvert schon ein bisschen verraten, was darin auf die Empfänger wartet.

Das Couvert verrät bereits, dass der Inhalt ein ganz besonderer ist

Obwohl die Adresszeile sehr schlicht gestaltet ist und auch sonst nichts auf dem Couvert drauf ist, macht diese Briefmarke das gewisse Etwas aus und ist ein echter Hingucker.

Hingucker: auf schlicht gestalteten Couverts kommt die Briefmarke besonders zur Geltung

Es braucht natürlich nicht gleich ein Baby, um Grund zum Schreiben zu haben. Nur schon eine schöne Postkarte aus den Ferien, liebe Worte an Freunde, die man schon lange nicht mehr gesehen hat oder ermutigende Worte an eine Person, die eine schwierige Zeit durchmacht – wertvolle Botschaften kommen immer gut an. Weitere Ideen für handgeschriebene Post und Inspirationen für eure Botschaften findet ihr auch unter www.post.ch/schreiben.

Bilder freistellen mit Inkscape

Vor einer Weile bestellte ich mir einen neuen Scanner, damit ich all die Aquarelle und Schriften auch alle digital speichern kann. Der neue Scanner ist sehr gut. Zu gut. Er scannt jede Faser des Aquarellpapiers mit. Der alte Scanner war schlecht. Dort war der Hintergrund schön weiss. Jetzt ist der Hintergrund cremig, körnig und holprig. Hilfe!

Nun gilt es also, den Spreu vom Weizen zu trennen – Hintergrund weg, Bild schön. Wer digital genauso suboptimal versiert ist wie ich, wird spätestens hier an seine Grenzen stossen. Doch zum Glück gibt es in den Tiefen des Internets kostenlose Programme, mit denen sich dieses Unternehmen realisieren lässt. Da ich mit Inkscape vektorisiere, verwende ich das Programm auch für die Bildfreistellung. Im Folgenden erkläre ich Schritt für Schritt, wie aus dem gescannten Bild ein Freigestelltes (i.e. Hintergrundloses) wird.

 

Das braucht’s:
– Ein Bild
– Ein Scanner
– Ein Computer
– Inkscape

 

Scannt das Bild in bestmöglicher Qualität (dieses Tutorial bearbeitet das Bild an sich nicht, sondern schneidet es lediglich aus)

 

Öffnet Inkscape und fügt die Scan-Datei via Datei > importieren… ein (es öffnet sich dann ein kleines Fenster, da könnt ihr einfach ok drücken!). Ihr könnt das Bild so im Programm verschieben, wie es euch am besten passt von der Ansicht her (es spielt auch (noch) keine Rolle, ob es innerhalb der angezeigten Seite ist)

 

Geht nun auf Ebene > Ebenen… . Nun sollte sich rechts am Rand ein Fester mit der Ebenenübersicht öffnen. Euer Bild befindet sich auf Ebene 1. Klickt nun auf das +, um eine zweite Ebene (über der aktuellen) hinzuzufügen. Die Ebene 1 könnt ihr durch einen Klick auf das Schloss-Symbol sperren, sodass euch das Bild nicht mehr verrutschen kann bei den nächsten Schritten. Die Deckkraft der Ebene 2 könnt ihr auf ca. 50% stellen, sodass ihr die untere Ebene später immer noch durchschimmern seht.

 

Im nächsten Schritt wird jetzt auf Ebene 2 der Umriss des Bildes mithilfe des Bézier-Kurven Tools (links das 7. Symbol von unten) nachgezeichnet. Dazu werden erst einmal rund um das Objekt Punkte gesetzt (Bild 1); die Linien müssen noch nicht perfekt auf den Kanten liegen, da sie noch verschoben werden können (Bild 2). Der letzte Punkt muss wieder an den ersten gesetzt werden, sodass eine geschlossene Kontur entsteht (Bild 3), die sodann dick und schwarz wird (Bild 4).

Bild 1: Bézier-Kurventool (links) wählen und irgendwo an der Kontur des Bildes den ersten Punkt setzen

 

Bild 2: rund um das Bild die Punkte setzen (immer an Ecken des Bildes, nicht auf geraden Linien)

 

Bild 3: Am Schluss muss die gezeichnete Kurve geschlossen werden, indem der letzte Punkt auf dem ersten gesetzt wird

 

Bild 4: die geschlossene Kontur wird nun automatisch dick und schwarz

 

Nun wird die entstandene Fläche aufgefüllt, indem ihr wieder zurück auf die Mausfunktion (der Pfeil links oben) geht und Objekt > Füllung und Kontur… wählt. Rechts öffnet sich wieder ein Fenster, wo ihr unter dem Reiter Füllung die Option einfache Farbe wählen könnt. Die Form ist nun schwarz gefüllt, aber dadurch, dass die Deckkraft der Ebene 2 auf 50% gesenkt wurde, seht ihr das Bild darunter dennoch.

 

Nun müsst ihr die Konturen noch etwas ausbessern, sodass die schwarze Fläche Deckungsgleich mit eurem Bild wird. Hierfür verwendet ihr den Knotenbearbeitungs-Tool (links zweites von oben) und könnt die Kurven entsprechend verschieben, indem ihr die Konturen anklickt und daran zieht (hier müsst ihr einfach etwas ausprobieren, bis man das im Griff hat…).

 

Die Kurven verschieben könnt ihr entweder, indem ihr die Kurve an sich anklickt und zieht (wie oben), oder indem ihr die Anfasser der Knoten bewegt (Bild unten, der rote Punkt) – je nach dem, wie es euch am besten geht.

 

Wenn ihr nur alle Kurven angepasst habt, sollten die Konturen des Bildes und der Fläche auf Ebene 2 übereinstimmen.

 

Falls ihr auch Flächen innerhalb des Bildes (hier zum Beispiel die weissen Flächen innerhalb der Rose) ausschneiden möchtet, müsst ihr fast das gleiche Spiel nochmals machen. Fügt dafür erneut eine neue Ebene hinzu (Ebene 3, über aktueller) und fährt wiederum mit dem Bézier-Kurven Tool um die auszuschneidende Fläche und passt die Kurven der Kontur an:

 

Nun wählt ihr mit einem Mausklick irgendwo auf dem Bild die äussere Kontur aus, drückt die Shift-Taste und wählt die innere, neue Kontur dazu aus, sodass beide markiert sind.

 

Wenn beide Konturen markiert sind (gestricheltes Viereck rundherum erscheint), drückt ihr control und (Minus) gleichzeitig. Die Konturen sollten jetzt zu einer einzigen Kontur werden (das Viereck um die innere Kontur verschwindet):

 

Diesen Schritt wiederholt ihr für alle inneren Flächen, die ihr ebenfalls durchsichtig haben wollt.

 

Um das Bild schliesslich auszuschneiden, müsst ihr die Ebene 1 wieder entsperren, mit der Auswahl-Maus (oben links) irgendwo auf den auszuschneidenden Hintergrund des Bildes (Ebene 1) klicken und mit der Shift-Taste gedrückt zusätzlich ins Bild hinein (Ebene 2) klicken, sodass sich wieder um beide Auswahlen ein gestricheltes Viereck bildet:

 

Nun kommt der letzte Schritt: klickt mit der rechten Maustaste ins innere Bild und wählt Ausschneidemaske setzen – TADAA! Euer Bild sollte nun freigestellt sein! Für die weitere Bearbeitung könnt ihr nun die Ebene 2 (und evtl. 3) löschen, die braucht ihr nicht mehr.

 

Wie alles begann

Hier sitze ich nun also, gut zehn Monate nach meinen ersten Handlettering-Versuchen. In dieser Zeit hat sich nicht nur meine Schönschrift geändert, sondern auch, was ich daraus mache. Auf das Handlettering bin ich eigentlich nur durch ein blödes Missgeschick gekommen: ich leerte während der Vorlesung Kaffee auf meinen Schreibblock und wollte die entstandenen Flecken mit einem Zitat in Schönschrift aufwerten. So habe ich aus dem Internet einen Spruch abgepaust – das war mein erstes Lettering. Was als gemütliche Nebenbeschäftigung als kreativen Ausgleich zu meinem Studium begann, wurde rasch zur Sucht – kein Abend verging mehr ohne Stift, kein Ausflug in die Stadt ohne Besuch in der Papeterie. Nach fast zwei Monaten intensivem Üben traute ich mich schliesslich, meine Kritzeleien auf Instagram zu veröffentlichen. Rückblickend sind diese Werke eher weniger schön, aber damals war ich ziemlich stolz, nach nur so kurzer Zeit solche nach Handlettering aussehenden Handletterings machen zu können!

Zu Beginn hätte ich nicht gedacht, dass die Lettering-Community auf Instagram so gross ist, und schon gar nicht, dass sie nur aus hilfsbereiten, ermutigenden, fröhlichen und authentischen Menschen besteht. Dieser virtuelle Freundeskreis hat mich enorm motiviert und inspiriert, weiterzumachen und vor allem Neues auszuprobieren und mich zu getrauen. Deshalb hier ein riesiges Dankeschön an euch alle, ihr dürft euch mal eine Runde auf die Schulter klopfen!

Instagram ist in der Hinsicht gefährlich, dass man ganz viele tolle Stifte, Papiere und Techniken sieht, die man natürlich alle selbst haben bzw. ausprobieren muss. Der finanzielle Schaden hält sich in meinem Fall noch in Grenzen, da ich von Natur aus sehr sparsam bin und deshalb häufig die günstigere Version kaufe – vor allem für den Anfang reichen diese Produkte dann auch völlig aus, um bereits tolle Ergebnisse zu erzielen. So habe ich zum Beispiel mit ganz normalen Finelinern, Bleistiften und alten Filzstiften begonnen und konnte ein Gefühl für das Lettering bekommen, ohne zig teure Stifte zu verschwenden. Auch fürs Aquarellieren hatte ich anfangs die günstigste Palette ausgesucht (welche ich auch jetzt noch regelmässig benutze!). Mit der Zeit kamen natürlich auch teurere Anschaffungen dazu, zu deren Kaufzeitpunkt wusste ich dann jedoch bereits, ob mir diese überhaupt dienen.

Was ich mit meiner Geschichte sagen will, ist, dass jede und jeder das Handlettering lernen kann und dass es dafür (zu Beginn) keine exquisiten Stifte und Papiere braucht – Ein Ikea-Bleistift und eine Serviette reichen schon völlig aus, um zu beginnen! Es braucht auch keine schöne Handschrift, denn Lettering hat in diesem Sinn nichts mit „normalem“ Schreiben zu tun. Ich in meinem Fall wusste nicht einmal, dass ich zeichnen kann, aber auch das kommt – wie das Lettering – mit der Übung.

Deshalb möchte ich euch ermutigen, es einfach zu versuchen. Im schlimmsten Fall kommt das Blatt in den Abfall – und sonst könnt ihr zehn Monate später eure eigene Webseite erstellen 🙂